Die abschliessende Langdistanz hat es in sich. Über zwei Stunden ist Nicola Müller unterwegs - und gewinnt mit vier Sekunden Vorsprung vor dem Norweger Jörgen Baklid, der erste Sieg eines Schweizers in einem Einzelweltcuprennen überhaupt! Corsin Müller beeindruckt mit einem 8. Rang bzw. wird Zweiter in der U23-Kategorie. Erneute drei Top-15-Resultate bei den Damen Elite runden das hervorragende Teamresultat ab.


an einem Einzelweltcup!

Swiss Ski-o Team!
Die Langdistanz mit Massenstart im dichten Nebel wurde über drei gegabelte Schlaufen ausgetragen. Die Gabelungen machen die drei Schlaufen deutlich unterschiedlich lang und beim Überlauf mit Kartenwechsel zwischen den Schlaufen vermittelt die leerer werdende Kartenwand den Athletinnen und Athleten ein detailliertes Bild über ihre aktuelle Position im Rennen. Zusätzlich zum Gegnerkontakt kann dies zur mentalen Herausforderung werden, die Schweizerinnen und Schweizer heute aber grandios meisterten.
Nicola Müllers Sieg ist der erste Sieg eines Schweizers in einem Einzelweltcuprennen. Wie ist ihm dies gelungen?
«Ich bin sehr gut weggekommen», beschreibt Müller seine Startphase. Ab Mitte der ersten Runde ist er ausser seltenem Sichtkontakt zu Stanimir Belomazhev, der dritter wird, komplett allein unterwegs. Im dichten Nebel macht Müller mehrere kleine Flüchtigkeitsfehler, die es aber dank seiner physischen Bombenform verträgt. «Irgendwie hat das am Schluss einfach alles zusammengepasst», strahlt der Einsiedler. Gegen Ende des Rennens läuft nur noch Jörgen Baklid zwischen Müller und dem Sieg. Müller sieht eine Alternativroute zu der von Baklid gewählten. Es gelingt ihm damit den Norweger einzuholen, zu überholen und einen knappen Vorsprung von 4 Sekunden ins Ziel zu sprinten. Und damit Schweizer Ski-OL Geschichte zu schreiben.
Damit ein solches Resultat möglich ist, muss alles zusammenpassen. Ein wichtiger Faktor ist auch die Präparation der Skis, was für das Swiss ski-o Team von Jyrki Tuokko und Lars Beglinger übernommen wird. Die Beiden haben heute phänomenale Arbeit geleistet, wie sämtliche Athleten und Athletinnen betonen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön Lars, Paljon kiitoksia Jyrki!
Corsin Müller, als achter im Weltcup wiederum zweitbester Schweizer, läuft in der U23 Kategorie (Heute U23 Weltcup, nicht U23WM) auf den zweiten Platz. Auch er startet gut und läuft mit der Spitze mit. In einer Steigung Mitte erste Runde verliert er den Anschluss an die direkte Spitze und kämpft sich alleine weiter. Beim zweiten Überlauf erfährt Müller von seinem genialen Zwischenresultat: Fünfter ist er da. Auf der letzten Runde hat er einige längere Gabelungen zu bewältigen, ist aber im Ziel immernoch achter. Eine Leistung, die Stolz machen darf!
Zwei weitere Teamgenossen reihen sich in den Top 15 ein. Es sind dies Gion Schnyder und Andri Jordi. Schnyder, der 14. wird und im Hinblick auf weitere Selektionen während dieser Weltcuprunde einiges an Druck verspürte, erzählt erleichtert: «Ich hatte ein nahezu perfektes Rennen. Dadurch bin ich sehr, sehr zufrieden mit dem technischen Anteil. Das Resultat in den Top 15 ist Balsam und zeigt, dass ich es doch vielleicht diese Saison noch schaffen kann, ein Top 10 Resultat zu laufen.»
Andri Jordi, im Ziel fünfzehnter, berichtet: ”Nach dem ich gestern meinen Middle in den Sand gesetzt hatte, wollte ich heute zeigen, dass ich auf dieses Jahr einen Schritt machen konnte. Dies ist mir gelungen.» Auf der ersten Runde hielt Jordi mit dem hohen Tempo der Spitzengruppe mit und kämpft sich auch auf der zweiten und dritten Runde ohne Fehler durch. Zufrieden und erschöpft freut sich Jordi über das Top 15 Resultat.
Ein etwas unzufriedener Gian Andri Müller wird 22., Corsin Boos 25., Daniel Gräzer 36 und Andrin Bieri 37.
Eliane Deininger, Delia Giezendanner und Flurina Müller laufen auch heute wieder alle in die Top 15. Deininger macht auf der erste Schlaufe zwei Fehler, kann sich im Laufe des Rennens auf der zweiten und dritten Runden aber steigern. Ende des Rennens ist sie zusammen mit Giezendanner unterwegs, wo die beiden leider beim drittletzten Posten die Chance auf den 8. Platz vergeben. Deininger wird 9. und zeigt sich mit diesem guten Resultat im Grossen und Ganzen zufrieden.
Delia Giezendanner, die hinter Deininger zehnte wird, hingegen hatte sich mehr erhofft. Nach einer vielversprechenden ersten Runde geht anfangs der zweiten Runde ein Teil von ihrem Kartengestell kaputt. Dieser Materialfehler macht es für Giezendanner schwierig Karte zu lesen. Trotzdem ist sie noch vorne mit dabei, macht aber zu Ende der zweiten Schlaufe einen grossen Fehler und verliert dadurch den Anschluss an Spitze.
Als Flurina Müller trotz gutem Flow und technisch sauberer ersten Runde beim ersten Überlauf an eine Kartenwand fährt, wo viele Karten der Konkurrentinnen bereits fehlen, muss die Einsiedlerin mentale Stärke beweisen. Auf der Karte der zweiten Schlaufe zeigt sich, dass der Zeitverlust auf der ersten Schlaufe durch die lange Gabelungen entstand und die nun viel kürzere zweite Runde motiviert Müller, die Verfolgung ihrer Konkurrentinnen weiter aufzunehmen. Mit grosser Bereitschaft zu pushen, physisch guter Form und top Ski kämpft sich Müller durch ein einsames Rennen und zeigt sich im Ziel glücklich über ihren 12. Rang.
Die erste Langdistanz in der Elitekategorie anzutreten, kann ganz schön beängstigend sein, besonders wenn man die Schauergeschichten über vergangene Langdistanzen in Bulgarien kennt (man erzählt sich beispielsweise von einer Athletin, die einmal in einem Schneesturm die falsche Seite eines Berges heruntergefahren sei oder einem Athleten, der im Delirium nach dem absolvierten Kraftakt im Hotelflur lag und halbrohe Fleischbällchen in sich rein stopfte…).
Elin Neuenschwander lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen und macht hervorragenden Ski-OL. Sie berichtet von gutem Flow und kontrolliertem Kartenlesen und wird trotz herausfordernden längeren Gabelungen auf der letzten Schlaufe gute 25.
Hiermit geht die erste Weltcuprunde der Saison in die Geschichte ein. Für die Athletinnen und Athleten geht es bereits übernächstes Wochenende mit der nächsten Weltcuprunde im nordschwedischen Luleå weiter, wo auch die Jugend- und Juniorenläuferinnen und -Läufer dabei sein und an der EYSOC bzw. JWSOC um Europa- und Weltmeisterschaftstitel kämpfen werden.
Text Lea Widmer, Fotos Eliane Deininger und Andrin Bieri
