Zum Auftakt der Bike-OL-Weltmeisterschaften im schwedischen Mora verpasste das Schweizer Team mehrere Medaillen nur hauchdünn. Celine Wellenreiter bei den Damen sowie Malin Röhrl bei den Juniorinnen klassierten sich jeweils auf dem undankbaren vierten Rang. Auch Noah Rieder bei den Herren blieb als Fünfter in Reichweite der Medaillen.

 Die Mitteldistanz in Mora bot genau jene Art von Bike-OL, für welche Skandinavien bekannt ist: mehrheitlich flaches Gelände mit einem enorm dichten Wegnetz, welches die Athletinnen und Athleten während (fast) des gesamten Rennens zu höchster Konzentration zwang. Weniger grosse Routenwahlen als vielmehr unzählige Mikroentscheidungen an Kreuzungen und Wegverzweigungen machten den Unterschied. Bei den Herren waren beispielsweise 32 Posten anzufahren. Wohl niemand erwischte dabei überall die Ideallinie, entsprechend eng lagen die Fahrerinnen und Fahrer im Ziel zusammen. Allerdings zeigten sich einige vom eher anspruchslosen Mittelteil auch ein wenig enttäuscht (siehe Statements unten).

Noah Rieder lange auf Medaillenkurs

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Knapp vorbei an Edelmetall: Noah Rieder

Besonders knapp verlief der Wettkampf aus Schweizer Sicht bei den Herren. Noah Rieder fehlten als Fünfter lediglich 27 Sekunden zur Bronzemedaille. Der Lysser liess dabei zahlreiche starke Mitfavoriten aus Tschechien, Österreich, Frankreich und Litauen hinter sich. Geschlagen geben musste er sich einzig den drei Finnen Samuel Pokala, Miika Nurmi und Andre Haga sowie dem Italiener Fabiano Bettega.

In den ersten sieben Rennminuten startete Rieder vorsichtig und verpasste trotzdem eine Abzweigung und musste umkehren. Der Fehler kostete rund 30 Sekunden - bei den geringen Zeitabständen letztlich fast schon entscheidend. Danach zeigte der Schweizer jedoch ein beeindruckendes Rennen. Während rund 40 Minuten arbeitete er sich kontinuierlich nach vorne und stiess zwischenzeitlich bis auf den virtuellen Bronzeplatz vor mit respektablem Abstand zu Rang Vier. Auch zu den späteren Gold- und Silbermedaillengewinnern hielt er lange den Kontakt.

Zum letzten Zwischenposten nach rund 45 Minuten wählte Rieder jedoch eine etwas zu weite Umfahrungsroute. Die Konkurrenz um den Bronzeplatz konnte dadurch wieder aufschliessen. In der Schlussphase schlichen sich zudem einige kleine Unsicherheiten und suboptimale Mikrorouten ein. Am zweitletzten Posten fehlten ihm nur elf Sekunden auf Bronze und drei Sekunden auf Rang vier. Auf dem Weg zum letzten Posten stürzte er aber nach einer Passage über offenes Gelände beim Einbiegen auf einen Pfad und musste so den Traum von einer Medaille endgültig, wenn auch nur knapp, begraben.

Adrian Jäggi zeigte als zweitbester Schweizer ein solides Rennen und klassierte sich auf Rang 15. Gröbere Fehler leistete sich der Routinier keine. «Ich bin ein wenig zweigeteilt. Mit einem grossen Teil des Rennens bin ich recht zufrieden», bilanzierte er nach dem Rennen. Lange Zeit war er gemeinsam mit dem vor ihm gestarteten Finnen Jussi Laurila unterwegs, was ihm zusätzliche Sicherheit gab. Etwas enttäuscht zeigte sich Jäggi von Teilen der Bahnlegung: «Gerade im Mittelteil hätte ich nicht gedacht, dass es so einfach werden würde. Ich ging davon aus, dass wir von A bis Z gefordert werden würden, so wie im Start- und Schlussteil.» Mit einem Rückstand von lediglich 2:45 Minuten auf den Weltmeister und nur 19 Sekunden hinter den Top Ten darf sich sein Resultat (Rang 15) dennoch sehen lassen.

Silas Hotz erwischte einen schwierigen Start. «Nicht ganz fehlerfrei mit Schwierigkeiten im ersten Teil», beschrieb er seinen Wettkampf. Bereits nach sieben Minuten hatte er mehr Zeit eingebüsst als Jäggi im gesamten Rennen verlor. Im Mittelteil fand der Neo-Berner jedoch besser in den Rhythmus. «Da war ich gut unterwegs und erwischte eigentlich alle Abzweigungen.» Damit arbeitete er sich in der Rangliste um rund 30 Positionen nach vorne. Im technisch anspruchsvollen Schlussabschnitt musste er jedoch erneut einige Male anhalten. «Das wurde dann schon wieder ziemlich tricky. Ich musste zwei- bis dreimal stillstehen. Das habe ich aber auch so erwartet.» Mit Rang 34 zeigte sich Hotz insgesamt zufrieden, für ein Spitzenresultat wäre jedoch ein nahezu perfektes Rennen nötig gewesen.

Flurin Schnyder blieb dagegen hinter seinen Erwartungen zurück und klassierte sich auf Rang 48. Der Berner hatte sich deutlich mehr erhofft. «Es war einfach zu physisch für mich. Ich habe es schwieriger erwartet», erklärte er nach dem Wettkampf. Der anspruchsvolle Startteil war noch technisch, danach sei es vor allem darum gegangen, während rund einer halben Stunde konstant hohes Tempo zu «mühlen». In diesem Bereich fehle ihm derzeit die Form, räumte Schnyder ein. Als er jedoch von zwei nach ihm gestarteten Fahrern eingeholt wurde und deren Tempo nicht mitgehen konnte, habe dies an seiner Moral genagt. Konsequenzen hat dies auch für die weiteren WM-Rennen: Weil er sich körperlich aktuell nicht auf dem gewünschten Niveau sieht, wird Schnyder auf die Langdistanz verzichten. «Es schmerzt zwar, aber im Moment ist es die beste Entscheidung. So kann ich mich voll auf den Sprint konzentrieren.»

Wellenreiter kämpft sich zurück

Auch bei den Damen lag eine Schweizer Medaille zeitweise in Reichweite. Celine Wellenreiter belegte am Ende Rang vier, verpasste Bronze aber schlussendlich doch um rund eineinhalb Minuten.

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Doch noch auf Rang Vier: Celine Wellenreiter

«Ich habe eigentlich ein recht gutes Rennen gehabt», bilanzierte Wellenreiter dennoch. Sie habe zu Beginn bewusst etwas Tempo herausgenommen, um gut ins Rennen zu finden, dadurch aber etwas Zeit verloren. Danach seien ihr einige Routenwahlen nicht optimal gelungen. Zu den Posten sechs und sieben unterliefen ihr zwei grössere Routenwahlfehler, ein weiterer Fehlentscheid zu Posten elf kostete zusätzliche Zeit. «Beim Kartenwechsel am Posten elf hatte ich dadurch bereits meine zwei Minuten Rückstand eingefahren», erklärte sie. Damit war die zwei Minuten nach ihr gestartete und spätere Siegerin Schwedin Gabriella Gustafsson zu ihr aufgefahren.

Von da an fuhren die beiden gemeinsam weiter und profitierten gegenseitig voneinander. «Wir waren von da an zusammen unterwegs und haben gegenseitig die "Bögli" ausgeglichen», so Wellenreiter. Für die Schweizerin war letztlich entscheidend, die Leistung der drei vor ihr zu akzeptieren: «Heute waren drei stärker, und dies gilt es neidlos anzuerkennen.»

Hinter Wellenreiter überzeugte Jana Lüscher Alemany mit einem konstanten Rennen. Sie klassierte sich auf dem starken elften Rang und bestätigte damit ihre gute Form.

Für Ursina Jäggi resultierte Rang 26. «Ich hatte mir vorgenommen, ruhig zu starten und gut auf die Karte zu kommen», erklärte sie. Dieser Plan sei ihr gelungen. Allerdings sei bereits der Beginn der Bahn einfacher gewesen als erwartet. «So habe ich bereits dort Zeit verloren.»

Bis Posten 27 sei sie mit ihrem Rennen grösstenteils zufrieden gewesen. Neben einer falschen Route zu Posten 11, die sie rund 45 Sekunden gekostet habe, sowie einer nicht optimalen Variante zu Posten 14, habe sie sich lediglich einige kleinere Unsicherheiten geleistet. «Posten 28 bis 30 gelangen mir dann leider nicht nach Wunsch», bilanzierte Jäggi. Schlechte Routenwahlen und teilweise auch deren ungenügende Umsetzung hätten sie dort nochmals wertvolle Zeit und einige Plätze gekostet. Entsprechend fiel ihr Fazit trotz Rang 26 differenziert aus: «Mein Rennen war eigentlich nicht so schlecht wie der Rang.»

Röhrl fehlen neun Sekunden zur Medaille

Ebenfalls mit dem undankbaren vierten Rang endete der Wettkampf für Malin Röhrl bei den Juniorinnen. Die mehrfache Nachwuchsmedaillengewinnerin lag lange in Schlagdistanz zur Spitze und verpasste Bronze schliesslich um lediglich neun Sekunden.

Nach einem gelungenen Start verlor Röhrl im Mittelteil durch einige kleinere Unsicherheiten etwas Zeit und fiel bis auf Rang acht zurück. Im Schlussabschnitt zeigte sie nochmals eine starke Aufholjagd und arbeitete sich bis auf den vierten Platz nach vorne. Zur Medaille fehlten am Ende nur neun Sekunden.

Bei den Junioren zeigte Jann Wittwer ein ausgeglichenes Rennen. Der Schweizer klassierte sich auf Rang 22 und lieferte damit einen soliden WM-Auftakt.

Nach mehreren Spitzenplätzen blieb dem Schweizer Team zum Auftakt der Titelkämpfe zwar eine Medaille verwehrt. Die gezeigten Leistungen machen jedoch Hoffnung für die weiteren Entscheidungen in Mora.

Das weitere Programm

  • Donnerstag , 27. August: Langdistanz
  • Samstag, 29. August: Sprint
  • Sonntag, 30. August: Staffel

Hier gehts zur offiziellen Veranstalter-Homepage und zum IOF Live-Event Center

(Text: Thomas Bossi, Bilder: Ulf Rask)