Noah Rieder präsentiert sich am Weltcup in Ungarn in bestechender Form und sichert sich in der Langdistanz mit Rang zwei seinen ersten Podestplatz auf Weltcupstufe. Auch bei den Damen setzt Celine Wellenreiter mit Rang drei ein starkes Ausrufezeichen und untermauert ihre Rolle als derzeitige Teamleaderin. Flurin Schnyder hingegen muss eine leise Enttäuschung hinnehmen und reist ohne U23-WM-Medaille nach Hause.
Was für ein Auftritt (und Ausritt) von Noah Rieder! Vom ersten Meter an setzte der Lysser alles sprichwörtlich auf eine Karte und es war ein Genuss, das Rennen im Live-Tracking zu verfolgen. Fast greifbar war der Elan, mit dem Rieder durch den Wald flog, sich den vor ihm gestarteten Jan Hasek (6 Minuten) und Armel Berthaud (3 Minuten) kontinuierlich annäherte und gleichzeitig den Abstand zum nach ihm gestarteten, mehrfachen Weltmeister Krystof Bogar stetig ausbaute. Die erste Zwischenzeit bestätigte den starken Eindruck: Rieder lag mit rund einer Minute in Führung.
Einzig Vojtech Ludvik, der wohl konstanteste MTBO-Athlet der letzten Jahre, vermochte später noch einmal zuzulegen und setzte sich bis zum Ende des Rennens mit einem Vorsprung von 2:53 Minuten von Rieder ab. Gegen die Leistung des Tschechen war heute kein Kraut gewachsen.
Gemeinsam mit Armel Berthaud, den Rieder kurz nach der ersten Zwischenzeit eingeholt hatte, hielt er das Tempo hoch und die Fehlerquote tief. Einmal nur stockte dem Zuschauer der Atem, als Rieder auf dem Weg zur zweiten Zwischenzeit eine alternative Routenwahl traf, die sich dann aber sogar als minimal schneller erwies, so dass der Status Quo bald wieder hergestellt wurde.
Der zweite Platz geriet nur insofern in Gefahr, dass der von Ludvik eingeholte Jungstar aus Österreich, Hannes Hnilica, im Rücken von Rieder Sekunde um Sekunde gutzumachen schien. Doch Rieder hielt dem Druck stand und rettete nach einem enorm kräftezehrenden Rennen 39 Sekunden Vorsprung ins Ziel. Der Lohn: ein hochverdienter zweiter Rang und der erste Weltcup-Podestplatz seiner Karriere.
Fast ein wenig im Schatten dieses Exploits blieben die weiteren starken Leistungen des Schweizer Teams. Bei den Damen bestätigte Celine Wellenreiter eindrücklich ihre Rolle als Teamleaderin. Sie fuhr bei allen Zwischenzeiten vorne mit. Bei der letzten gemessenen Zwischenzeit lag sie noch auf Rang 5, überholte danach aber mit einem furiosen Schlussabschnitt noch drei Skandinavierinnen und musste sich ihrerseits nur noch vom Italienischen Jungtalent Iris Aurora Pecorari überholen lassen, so dass sie wie Rieder bei den Herren, verdientermassen zum ersten Mal auf ein Weltcup-Podest stehen durfte (Rang 3).
Mit diesem Spitzenresultat sowie starken Leistungen im Sprint (Rang 4) und in der Mitteldistanz (Rang 7) unterstrich sie ihre ausgezeichnete Form und bewies, dass sie für die Ende Mai in Portugal stattfindenden Europameisterschaften bereit ist.
Neben Rieder und Wellenreiter zeigten vor allem auch Silas Hotz und Adrian Jäggi gute Leistungen. Hotz vermochte sich im Verlaufe der drei Tage kontinuierlich zu steigern, musste heute früh ins Rennen starten und zeigte mit einer beherzten Performance und namentlich einem sehr starken Schlussteil seine bisher beste Saisonleistung und wurde dafür mit Rang 12, zeitlich nur knapp ausserhalb der Top-Ten belohnt.
Noch besser war lange Adrian Jäggi unterwegs. Gegen Ende des Rennens büsste er aber einiges an Zeit ein, musste sich vom Hotz überholen lassen und klassierte sich unmittelbar hinter seinem Teamkameraden auf Rang 13 und trug damit wesentlich zur geschlossenen Teamleistung bei.
Für Flurin Schnyder verlief der Wettkampf hingegen nicht nach Wunsch. Mit Rang 27 blieb er klar hinter den Erwartungen zurück und war im Kampf um die U23-WM Medaillen chancenlos: am Ende fehlten rund elf Minuten auf die Podestplätze. Wie bereits nach der Mitteldistanz festgestellt, hatte er zwar alles gegeben, doch nach einer schwierigen Vorbereitungsphase reichte die physische Form nicht für ein besseres Resultat.
Bei den Damen zeigt sich derzeit hinter Celine Wellenreiter eine kleine Lücke. Ursina Jäggi erreichte mit Rang elf zwar ihr bestes Resultat in Ungarn, blieb insgesamt auch aufgrund ihres Rendements jedoch leicht unter den Erwartungen. Jana Lüscher Alemenay (Rang 20) lässt ihr Potenzial immer wieder aufblitzen, wirkt in dieser Saison jedoch noch etwas zu inkonstant.
Allerdings weiss man um die Qualitäten der beiden Athletinnen, und bis zu den Europameisterschaften bleibt ausreichend Zeit, um an Form, Feinabstimmung und Konstanz zu arbeiten.
Hier gehts zu den Resultaten und zur offiziellen Homepage der Wettkämpfe in Ungarn
(Text: Thomas Bossi)
