Für den Bahnlegungswettbewerb 2026 verlangten wir eine DE- und eine H10-Bahn für die Schweizer Sprint-OL Meisterschaft (SPM). Wiederum ein Kernstück der geforderten Aufgabe an die Bahnleger und Bahnlegerinnen (BL) war die Erstellung eines Bahnkonzepts.

Zielsetzung einer Sprint-OL-Bahn

Diese Disziplin zeichnet sich primär durch das Tempo aus. Der Sprint-OL testet die Athleten und Athletinnen bezüglich ihrer Fähigkeit im Kartenlesen und Navigieren in «komplexem Gelände». Sie sollen schnell Routenwahlentscheide fällen und diese in hohem Lauftempo umsetzen müssen. Bahnen sind so zu legen, dass das Geschwindigkeitsmoment jederzeit vorhanden ist und dass Teilnehmende sich ständig auf OL-Karte und Gelände konzentrieren müssen.

Faire Bahnen

Teilstrecken sollten keine Routenoptionen enthalten, die den Teilnehmenden unter Wettkampfbedingungen Vor- oder Nachteile verschaffen, die nicht anhand der Karte vorhersehbar sind. Teilstrecken, die Teilnehmer dazu verleiten, verbotene oder gefährliche Bereiche zu durchqueren, sind zu unterlassen.

KEINE ABSICHTLICHEN FALLEN (aus «Course planning guidelines Sprint» der IOF)

Posten dürfen nicht so gesetzt werden, dass über ein verbotenes Objekt gestempelt werden kann (z.B. keine Posten an Zäunen, die von der anderen Seite quittiert werden können). In dem Zusammenhang gilt auch, dass Posten an Objekten, die nur aus der Postenbeschreibung den genauen Standort erkennen lassen, vermieden werden sollten.

Deshalb der Tipp: Posten an Zaunecken etc. etwas verschoben zentrieren, damit es auch aufgrund der Karte ersichtlich sein kann, auf welcher Seite er steht; ansonsten ist der Postenkreis zentriert auf das (Punkt)Objekt einzuzeichnen.

Olive Gebiete und Sperrgebiete müssen auf der Karte und im Gelände klar sein (allenfalls absperren und überwachen).

Sicherheit

Wir durften viele gute Konzepte beurteilen, welche die Sicherheit in urbanem Gelände beachtet haben, folglich einige Strassen als Sperrgebiet gekennzeichnet und die Bahnen an Übergängen über die Strasse geleitet haben. Dennoch möchten wir hier auf einige Punkte hinweisen:

  • Verkehr: Welche Strassen sind während dem Wettkampf stark befahren und müssen für die Läufer und Läuferinnen gesperrt werden? Es sind geeignete Übergänge oder Unterführungen zu definieren. Die Gegenläufigkeit ist bei Übergängen und v.a. auch bei Unterführungen zu vermeiden.
  • Gegenläufigkeit: Gerade bei grösseren Anlässen wie der SPM ist stark darauf zu achten, dass Gegenläufigkeit über alle Bahnen vermieden wird. Dies gilt besonders stark in engen Geländebereichen (enge Gassen, Unterführungen etc.). Posten in einer Sackgasse stellen keine zusätzliche technische Herausforderung dar, erhöhen aber das Risiko für Zusammenstösse zwischen Läufern und Läuferinnen.
  • Bahnhof: Auf der Karte für den Bahnlegungswettbewerb ist ein grösserer Personenbahnhof zu erkennen. Es muss davon ausgegangen werden, dass sich beim Eintreffen eines Zuges viele Personen in den beiden Unterführungen befinden. Durch die Benutzung der Unterführungen für den Wettkampf wird es zu einer Lotterie, ob die Unterführung ohne Behinderung genutzt werden kann. Deshalb ist aus Gründen der Sicherheit und der Fairness der Bahnhof nicht als Wettkampfgelände zu nutzen.

Wettkampfordnung WO

Die Richtzeiten für einen Sprint betragen in allen Kategorien 10 bis 15 Minuten. Der Sprint soll nicht zu einem Mitteldistanzrennen werden, darum ist es wichtig, dass sich die BL an diese Richtzeiten halten. Dies kann dazu führen, dass evtl. nicht alle «spannenden» Geländekammern genutzt werden können.

Gerade beim Sprint ist darauf zu achten, dass der Minimalabstand zwischen zwei Posten eingehalten wird. Art. 118bis der WO definiert die Abstände für den Sprint-OL:

  • 15 m, wobei die Laufstrecke mindestens 25 m betragen muss
  • 30 m zwischen zwei benachbarten Posten bei analogem Postenobjekt

Bild 1: Wer OCAD nutzt, hat eine Auswertungsfunktion zur Verfügung. Dadurch wäre das Problem einfach zu erkennen. Z.B. die Posten 48 und 68 sind an einem analogen Postenobjekt; da müsste der Abstand mind. 30 m betragen. Die Posten 43 und 44 sind zwar weiter als 15m auseinander, aber weil die Laufstrecke im Gelände dazwischen auch nur 23 m beträgt, stehen diese Posten ebenfalls zu nahe.

Niveaugerechte Bahn für H10

Vielen BL fällt es leicht eher anspruchsvolle Bahnen zu legen. Hingegen muss für einfache Bahnen speziell auf die richtige Anforderungsstufe geachtet werden. Die WO teilt die Kategorien sechs orientierungstechnischen Anforderungsstufen zu. D10 und H10 werden in der einfachsten Stufe geführt.

Anforderungen für D10/H10-Bahnen:

Kartenlesen

Routenwahl

Postenstandort

Postenobjekt

·  Eindeutige Leitlinien

·  Ohne Entscheide

·  Leitlinien in Form von Strassen, Wegen etc.

·  Keine Routenwahl

·  Vorgegebene, eindeutige Leitlinie

·  An deutlicher Leitlinie

·  Als Bestätigung der richtigen Route

·  Linienobjekt, in Linie angelaufen

·  Eindeutiges, gut sichtbares Objekt

Bild2 BL Wettbewerb 2026

Bild 2: H10 Teilstrecke: Posten 8 entspricht der Anforderungsstufe 2; Posten an der Nordwestecke des Gebäudes wäre Stufe 1 (roter Kreis)

Darstellung auf der Laufkarte

Die Postennummern sollten nicht mit weiss hinterlegt werden (vgl. in Bild 2), weil dadurch Informationen auf der Karte verdeckt werden können.

Barrieren/künstliche Sperrgebiete sind deutlich einzuzeichnen und zu überwachen

Bild3

Bild 3: Darstellung einer künstlichen Strassensperre

Bild4                                       

Bild5

Bild 4 und 5: Wir sind uns bewusst, dass im Wettbewerb die Karte nicht verändert werden durfte. Deshalb konnten die BL die Durchgänge durch Unterführungen nicht korrekt darstellen. Die Anpassung müsste in der Kartendatei vorgenommen werden (im unteren Bild ersichtlich).

Input für die Organisation (nicht Teil der Bewertung im Bahnlegungswettbewerb)

Diese Informationen dienen mehr den Kartenaufnehmenden und der Organisation (und weniger den BL), wobei die BL bei Unklarheiten dies mit den Kartenaufnehmenden oder den entsprechenden Verantwortlichen der Organisation klären müssen.

  • 4’000er Karten mit «Sehtest»-Durchgängen: Die BL müssen zur Beurteilung ebenfalls mit einer im Wettkampf-Massstab ausgedruckten Karte ins Gelände!
  • Darstellungen von mehreren Ebenen müssen klar sein, sollen aber in technisch anspruchsvollen Bahnen eingebaut werden, da diese zusätzliche Herausforderungen bieten.
  • Das Ahnden von Vergehen (Oliv, Sperrgebiete, Mauern, Durchgänge, etc.) muss kontrollierbar sein und ist je nach Anlage sehr personalintensiv (wie viele Helfende stehen dem BL für diese Aufgabe zur Verfügung?)

Gutes Bahnkonzept

Bereits mit einem guten Bahnkonzept wird die Wahrscheinlichkeit einer guten Sprintbahn erhöht. Dabei spielt vor allem die Geländeanalyse eine wichtige Rolle. Wo kann ich technisch anspruchsvolle Teilstrecken legen? Wie kann ich Geländekammern verbinden ohne grosse Qualitätseinbusse für die Bahnen? Wo ist das Wettkampfzentrum? Wie verlaufen die Anmarschwege ins WKZ, an den Start und vom Ziel zurück, ohne dass das Laufgebiet passiert werden muss? Gelange ich auch mit einfachen und kurzen Bahnen vom gewählten Startort niveaugerecht ins Ziel? Wie steuere ich als BL den Läuferstrom, ohne viel Gegenläufigkeit (Sicherheit)? Etc.

Gerade im Sprint braucht es einen Startteil, welcher viele erste Posten und Varianten zulässt, denn das kurze Startintervall führt dazu, dass an einer SPM zum Teil 10 bis 15 Läufer die gleiche Startzeit haben. Darum sollte eine Schlaufe auf den ersten Posten oder das Kreuzen der Bahnen im Startteil vermieden werden.

Bewertung

Die drei Jury-Mitglieder Kurt Schmid, Roger Vogel und Töby Imhof durften die eingereichten Bahnvorschläge von 22 TeilnehmerInnen bewerten.

Die Jury-Mitglieder beurteilten die Bahnvorschläge zuerst unabhängig voneinander, unter anderem nach folgenden Gesichtspunkten:

  • Rahmenbedingungen: wurden die Vorgaben eingehalten?
  • Gesamteindruck: liegen spannende Bahnen vor? Weisen die Bahnen Sprint-OL-Charakter auf? Wurde das Gelände optimal ausgenutzt?
  • Ist die Bahn fair und sicher?
  • Abwechslung: weisen die Teilstrecken Variationen in Bezug auf Teilstreckenlänge, Richtungswechsel, Geländewechsel und Orientierungstechnik auf?
  • Physische Anforderung: Entsprechen die Bahnlängen der gestellten Aufgabe?
  • Niveaugerecht: entsprechen die Bahnen der geforderten orientierungstechnischen Anforderungsstufe?
  • Wurden grobe Fehler in der Bahnlegung gemacht?

Gemeinsam wurden die Bahnen danach nochmals diskutiert, bewertet und eine Rangliste erstellt.

Die Siegerbahnen

Am meisten überzeugt haben die Bahnen von Silvan Ullmann. Silvan nutzte, wie viele andere in den Top 10, nur das Laufgebiet südlich des Flusses. Die Verbindung der nördlichen und südlichen Geländekammer führt zu langen und technisch wenig anspruchsvollen Laufstrecken und somit zu einer Qualitätseinbusse bei den Bahnen.

pdfSiegerbahn_DE.pdf

pdfSiegerbahn_H10.pdf

In seinem Konzept gibt er bereits eine klare Laufrichtung für die Bahnen vor und zeigt auf, in welchen Gebieten zusätzliche Distanzen für längere Bahnen möglich sind. Die DE-Bahn zeichnet sich durch viele und auch vielfältige Routenwahlen und Abwechslung (Teilstreckenlänge, Richtungswechsel, Geländewechsel) aus. Die H10-Bahn entspricht der geforderten orientierungstechnischen Anforderungsstufe. Eine sehr kritische Jury kommt zum Schluss, dass z.B. noch etwas mehr Abwechslung in den Teilstreckenlängen die Bahn perfektionieren könnte.

pdfSiegerbahn Bahnkonzept

Der beste Nachwuchsbahnleger ist Mats Gmür. Er konnte vor allem mit der H10-Bahn viele Punkte sammeln.

Die Rangliste

Gesamtwertung (Top 10)

  1. Silvan Ullmann (ol.biel.seeland), Köniz
  2. Bruno Steinegger (OLC Kapreolo), Bassersdorf
  3. Ueli Ryser (OL Oberaargau), Langenthal
  4. Elia Gartmann (OLG Chur), Chur
  5. Alain Juan (ANCO), Savagnier NE
  6. Jürg Bosshard (OLG Pfäffikon), Pfäffikon ZH
  7. Marcel Merk (OL Zimmerberg), Zürich
  8. Peter Schrämmli (Asco Lugano), Taverne
  9. Philipp Ballif (CARE Vevey), Lavey-Village
  10. Ladina Geiger (OL Regio Wil), Aadorf

Nachwuchs (Top 3)

  1. Mats Gmür (OL Regio Olten), Wangen b. Olten
  2. Tim Mumprecht (OL Zimmerberg), Zürich
  3. Andrew Driscoll, (NEOC) Boston

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