Am letzten Rennen der diesjährigen Junior*innen-WM im schwedischen Karlskrona gewannen sowohl bei den Juniorinnen als auch bei den Junioren eine Schweizer Staffel Bronze. Bei den Junioren lief das Team Schweiz 1, bestehend aus Gratian Böhi, Loïc Berger und Matthieu Bührer, auf das Podest, bei den Juniorinnen war es mit Rahel Good, Leonie Mathis und Sarina Grimm das Team Schweiz 2.
Die Juniorinnen und Junioren wussten, was sie an dieser Staffel erwarten würde: Das Start- und Zielgelände der Staffel war dasselbe, wie das Ziel der gestrigen Mitteldistanz. Das von sehr detailliert bis sehr detailarm variierende Gelände forderte die Athletinnen und Athleten auch heute auf verschiedene Weisen. Hinzu kamen die Herausforderungen der Staffeln, die die Schweizerinnen und Schweizer gut meisterten.
Aufholjagd nach einem versteckten Posten
Relativ deutlich war das Resultat auf der Juniorenseite. Schweden 1 gewann mit rund einer halben Minute Vorsprung auf Finnland 1, welche wiederum eineinhalb Minuten vor dem Schweizer Schlussläufer Matthieu Bührer die Ziellinie überquerte. «Als ich startete, wusste ich, dass wir rund eine Minute hinter den Medaillen liegen. Damit wusste ich auch, dass reale Medaillenchancen bestehen, wenn ich meinen Job gut mache», erzählte Matthieu. Dies gelang ihm bis auf den Posten nach dem Überlauf, als er etwas zu schnell OL machen wollte. Schlussendlich fand er die Lösung darin, dass er etwas Tempo herausnehmen konnte und für sich und seine Teamkollegen als Dritter über die Ziellinie lief. Seine beiden Vorläufer Gratian Böhi und Loïc Berger haben alles dafür gegeben, Matthieu in einer guten Position auf die Schlusstrecke zu schicken. Leider unterlief Gratian auf der Startstrecke ein grösserer Fehler: «Ich bin kontrolliert gestartet und habe bis zum Überlauf sehr gut OL gemacht. Danach kam eine längere Kompasstrecke. Auch wenn ich sauber Kompass gelaufen bin, habe ich die Postenflagge nicht gesehen. Nachdem ich mich an einem Hochsitz wieder aufgefangen habe und einen neuen Versuch startete, fand ich dann den Posten am selben Ort, wie ich bereits einmal war.» Danach konnte der Zürcher wieder auf das Tempo drücken, und mit drei Minuten Rückstand an Loïc übergeben. Loïc fehlte bei ein paar kurzen Posten etwas der Fokus, konnte anschliessend einen mentalen Neustart machen und speziell nach dem Überlauf, wo viele Fehler gemacht wurden, sehr gut OL laufen. «Ich wollte Matthieu die bestmögliche Startposition ermöglichen», erzählte Loïc im Ziel.
Da pro Nation jeweils nur ein Team gewertet wird, lief Schweiz 2 mit Lukas Gasser – der auf der Startstrecke als Dritter mit lediglich 20 Sekunden Rückstand ins Ziel kam –, Dario Dauwalder und Jonas Vogel auf den sehr guten, jedoch inoffiziellen, sechsten Rang.
«Das war der überraschendste Moment, den ich je erlebt habe!»
Knapper fiel das Rennen bei den Juniorinnen aus. Das schwedische Siegerinnen-Team lief zwar mit gut einer Minute Vorsprung ins Ziel, um Rang zwei und drei jedoch gab es einen Zielsprint, den die Norwegerin für sich entschied und somit eine Sekunde vor der Schweiz-2-Läuferin Sarina Grimm über die Ziellinie lief. Die Spitzenplätze wurden auf der letzten Runde noch einmal durchgeschüttelt: Beim Überlauf, der rund 15 Minuten vor Schluss war, führte Tschechien 1 vor Schweiz 1 und Schweden 2. Eine souveräne Schlussrunde der drei Podest-Läuferinnen sowie Fehler der anderen drei Juniorinnen, definierten schlussendlich das Resultat. «Ich habe erst im Zieleinlauf gehört, dass es um Medaillen geht. Das war der überraschendste Moment, den ich je erlebte», freute sich Sarina im Ziel. Ihre Vorläuferinnen haben auch bereits sehr gute Arbeit geleistet: Rahel Good kam auf der ersten Strecke mit über einer Minute Vorsprung als Erste ins Ziel. «Es hat mir sehr viel Spass gemacht! Auf einer längeren Laufstrecke im Mittelteil konnte ich wieder etwas aufholen. Auf der Schlussschlaufe war ich dann plötzlich alleine. Auch wenn ich mir viel Zeit für das OL machen nehmen konnte, ist niemand von hinten gekommen. Das war ein cooles Gefühl», strahlte die Ostschweizerin. Zufrieden mit ihrer eigenen Leistung, war auch die zweite Läuferin, Leonie Mathis: «Es war toll, so früh starten zu können. Leider habe ich ein paar Fehlerchen in den Postenräumen gemacht und ich konnte anschliessend mit der Gruppe mitlaufen.»
Das andere Schweizer Team, bestehend aus Henriette Radzikowski, Mira Werder und Rachel Marxer, mischte lange in den Top-Platzierungen mit. Nach einem soliden Start von Henriette lief Mira eine starke Strecke und schickte Rachel als Dritte in den Wald. Bis kurz vor Schluss lief Rachel mit der Tschechin an vorderster Stelle. Nach einem groben Fehler zum drittletzten Posten überlief sie einen Posten und wurde disqualifiziert.
Die Resultate im Detail sowie das GPS können auf der IOF-live-Webseite studiert werden.
Damit schliesst eine weitere erfolgreiche Junior*innen-WM und die Schweizer Delegation reist mit drei Gold-, einer Silber- und zwei Bronzen-Medaillen als zweitbeste Nation nach Hause.
(Text: Sina Tommer, Fotos: Filip Andersson)


